Zurück zur Startseite
25. November 2010 Steffen Zillich

Gleichwertigkeit des Abiturs

16. Wahlperiode - 73. Sitzung: Steffen Zillich zum Antrag Antrag der CDU: Kein Zwei-Klassen-Abitur in Berlin

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Lieber Kollege Steuer!

So richtig haben Sie mich mit der Antwort auf meine Zwischenfrage nicht überzeugen können.

[Beifall von Dr. Felicitas Tesch (SPD)]

Sie haben über einen doppelten Abiturjahrgang geredet. Nichts davon steht in Ihren Anträgen. Sie haben darüber geredet, dass eine Unterscheidung in Nord- und Südabitur eine schlechte Entwicklung wäre. In Ihren Anträgen beantragen Sie aber eine Beteiligung Berlins am Südabitur. Also irgendwie geht das alles nicht so richtig zusammen.

[Vereinzelter Beifall bei der Linksfraktion und der SPD]

Alle Anträge, die hier vorliegen, sind im Fachausschuss abgelehnt worden. Keiner dieser CDU-Anträge hat über die antragstellende Fraktion hinaus Zustimmung erlangen können. Deswegen von mir nur in der gebotenen Kürze dazu.

In den Anträgen geht es im Wesentlichen um zwei Schwerpunkte, nämlich einerseits um die Frage, mehr zentrale Abiturprüfungen zu erreichen, sowohl über die Landesgrenzen hinaus als auch, was die Anzahl der Prüfungen im Landeszentralabitur betrifft, und beim zweiten Schwerpunkt geht es um eine angebliche Benachteiligung des Gymnasiums gegenüber dem Abitur an der integrierten Sekundarschule und auch um eine angebliche Ungleichgewichtigkeit dieses Abiturs. Beides trifft nicht zu, beides geht von falschen Voraussetzungen und Unterstellungen aus. An einigen Punkten gehen auch die Begrifflichkeiten durcheinander.

Die KMK arbeitet an einheitlichen Prüfungsanforderungen, an einheitlichen Grundlagen und Niveaus für die Prüfungsaufgaben. Die sind nicht gleichzusetzen mit einheitlichen Prüfungsaufgaben. Bei erstem geht es um Kompetenzen und Standards, beim zweiten um die gleichen Aufgabenstellungen. Wenn man unterstellte, dass das das Gleiche wäre, würde dies bedeuten, dass man ein gleichwertiges Abitur tatsächlich nur mit gleichen Aufgaben herstellen könnte – dem ist nicht so. Auf eine solche Idee kommt bei Hochschulabschlüssen im Übrigen auch niemand,

[Dr. Felicitas Tesch (SPD): Genau!]

hier werden ja auch nicht überall dieselben Aufgaben gestellt, und trotzdem werden gleichwertige Abschlüsse erlangt.

Nein, es ist nicht sinnvoll und auch nicht anzustreben, dass wir zentrale, gleichwertige Aufgabenstellungen auf andere Länder mit Nord- und Südabitur ausdehnen; es ist auch nicht sinnvoll, dass wir die Aufgabenstellungen insgesamt ausdehnen. Ein zentrales Bundesabitur ist praktisch sowieso nicht zu erreichen.

[Mieke Senftleben (FDP): Wollen wir auch nicht!]

– Wollen wir auch nicht, richtig! – Wenn es aber nicht einmal sinnvoll zu erreichen ist, dann macht es auch keinen Sinn, sich dem anzunähern. Es macht lediglich Sinn, um die Gleichwertigkeit des Abiturs zu ringen, diese zu unterstützen und nicht durch solche Anträge in Frage zu stellen.

[Beifall bei der Linksfraktion]

Der zweite Punkt, den Sie ansprechen, ist die angebliche Benachteiligung des Gymnasiums gegenüber der integrierten Sekundarschule. Das kann ich nicht feststellen. Es entspricht dem Selbstverständnis des Gymnasiums, auf dem schnellen, dem direkten, dem kürzesten Wege zum Abitur zu führen und dafür leistungsstarke Schülerinnen und Schüler zu rekrutieren. Die integrierte Sekundarschule hat eine andere Aufgabe – sie ist eine Schule für alle, die zu allen schulischen Abschlüssen führen soll. Sie hat ein anderes Selbstverständnis, und deswegen – allerdings nur in der Sekundarstufe I – eine andere Ausstattung als das Gymnasium.

Die Gleichwertigkeit ist hier tatsächlich auch dadurch gesichert, dass es gleiche Prüfungsaufgaben gibt, das ist überhaupt nicht in Frage gestellt, und deswegen gibt es aus unserer Sicht auch keinen Handlungsbedarf – außer dem, immer wieder klarzustellen, dass es keinen Grund gibt anzunehmen, dass wir ein Abitur von unterschiedlichem Niveau in unterschiedlichen Schularten in Berlin ablegen. Nein, wir haben ein gleichwertiges Abitur, und deswegen ist es ein richtiger Weg, den wir gehen, indem wir sagen, wir haben, was das betrifft, zwei gleichwertige Schularten, die beide bis zum Abitur führen – die integrierte Sekundarschule und die Gemeinschaftsschule sowie andererseits das Gymnasium. – Vielen Dank!

[Beifall bei der Linksfraktion und der SPD]