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25. Februar 2010 Steffen Zillich

Maßnahmen gegen Mangel an Erzieherinnen und Erziehern

16. Wahlperiode 59. Sitzung: Steffen Zillich zum Antrag der CDU: Erzieherinnenmangel vom Senat hausgemacht – Verträge nicht mehr befristen [zu Protokoll gegeben]


Der Titel des CDU-Antrages klingt auf der einen Seite nach Skandal, auf der anderen Seite nach schneller Lösung. Beides trifft so nicht zu, ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Und auch der Antragstext wird dem Problem nicht gerecht, erfasst bestenfalls einen Aspekt des Problems. Ja, es gibt aktuell und vor allem perspektivisch einen Erzieherinnenmangel.

Man kann durchaus auch sagen, dass der perspektivische Erzieherinnenmangel in einem erheblichen Maß hausgemacht ist: Ausbau des Ganztagsbetriebs an Grundschulen und ab dem nächsten Schuljahr, insbesondere im Sekundarschulbereich, Verbesserung der Erzieherinnenausstattung in den Kitas und die schrittweise Ausweitung der Kostenbeteiligungsfreiheit in der Kita. All dies erzeugt einen Mehrbedarf an Erzieherinnen, auf den auch die bisherigen Ausbildungskapazitäten nicht ausgerichtet waren.

Diesen Zusatzbedarf hat der Senat mit 900 Erzieherinnen und Erziehern beziffert. Darüber hinaus müssen in diesem Jahr 900 Erzieherinnen und Erzieher, die aus Altersgründen ausscheiden, ersetzt werden. Auch diese Entwicklung, die ebenso im Bereich der Lehrerinnen und Lehrer existiert, ist bekannt – aber angesichts der Haushaltslage über Einstellungen nur bedingt steuerbar. Dem sich abzeichnenden Mangel an Erzieherinnen und Erziehern können wir nur mit einem Paket von Maßnahmen begegnen. Der Senat hat eine Reihe solcher Maßnahmen Anfang Januar bereits vorgestellt.

Dazu gehören:

– Aufstockung der Ausbildungsplätze um 500 – zzt. etwa 1 000 Absolventinnen und Absolventen der Erzieher/-innenausbildung –,

– Berufsrückkehrer sollen wieder aktiviert werden,

– die Ausbildung der Heilerziehungspflege soll gleichberechtigt anerkannt werden, das könnte ca. 100 zusätzliche Erzieher/-innen bringen,

– Aufstockung von Teilzeit,

– berufsbegleitende Erzieher/-innenausbildung für Assistenten, die bereits in Kitas arbeiten,

– Möglichkeiten für den Seiteneinstieg in den Erzieher/-innenberuf schaffen, aus anderen pädagogischen Berufen mit einem möglichst unbürokratischen Anerkennungsverfahren nach klar bestimmten Kriterien sowie aus anderen, z. B. Handwerksberufen.

Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt und eine Nichtschülerprüfung absolviert werden. Näheres hierzu befindet sich bereits auf der Webseite der Senatsverwaltung für Bildung und Wissenschaft. In diesem Zusammenhang soll übrigens zugleich auch der Anteil von Pädagogen und Pädagoginnen mit Migrationshintergrund erhöht werden. Außerdem sollen als weitere Maßnahme Kriterien erstellt werden, nach denen BA- und MA-Absolventen und Absolventinnen eine Erzieher/-innen-Anerkennung erhalten können. Dies ist schon ein ziemlich komplexes Maßnahmenpaket.

Darüber hinaus halten wir es für sinnvoll, Möglichkeiten für die Qualifizierung von Seiteneinsteigern über die Bundesagentur für Arbeit zu erschließen. Selbstverständlich gehört auch die Entfristung von Arbeitsverträgen und von befristet aufgestockten Teilzeitverträgen in ein solches Maßnahmepaket, um das vorhandene Potenzial auszuschöpfen. Es ist richtig, dass auch jetzt ein Teil der Erzieher/-innen nur befristet beschäftigt ist und sich die Befristung nicht einmal am Schuljahr orientierte. Der Druck am Jahresende war groß, und erst relativ spät konnte die Senatsbildungsverwaltung die Verträge von ca. 120 in den Schulen befristet beschäftigten Erziehern und Erzieherinnen bis zum 31. August 2010 verlängern und ebenso ca. 90 befristete Stundenaufstockungen.

Erzieher/-innen in diesem Umfang werden sicherlich auch über das laufende Schuljahr hinaus benötigt. Deshalb ist auch für mich hier eine Entfristung nötig. Generell auf befristete Arbeitsverträge zu verzichten, wie es der CDU-Antrag beinhaltet, ist sicher nicht sinnvoll und eher realitätsfern. Sicher wird es auch künftig eine Möglichkeit befristeter Einstellungen geben müssen, um angesichts der Haushaltslagen mit Schwankungen in den Schüler/-innenzahlen flexibel umgehen zu können.

Notwendig ist allerdings dreierlei: Angesichts des sich klar abzeichnen Mehrbedarfs an Erziehern und Erzieherinnen in Kitas und Schulen ist eine Erhöhung der personellen Mittel erforderlich, was Auswirkungen auf die Zahl unbefristeter Arbeitsverträge haben sollte. Zum anderen sollte für befristete Einstellungen eine Option für Entfristung unter klar definierten Kriterien enthalten sein. Und drittens muss das Land angesichts der absehbaren Leere auf dem Erzieher/-innenmarkt ein Interesse daran haben, Fachkräfte vertraglich an das Land Berlin zu binden und dies auch in der eigenen Einstellungspraxis berücksichtigen.