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Das RAW-Gelände muss als Kulturstandort erhalten bleiben!

www.rawcc.org

 

Die Zukunft des alternativen Areals ist nach einem Eigentümerwechsel ungewiss.

 

Nach dem Kauf eines Großteils des RAW-Areals durch einen Investor, die Göttinger Firmengruppe Kurth Immobilien GmbH, ist die Zukunft des RAW-Tempels in seiner heutigen Form gefährdet. Der neue Eigentümer hat sich bisher nicht genau zu seinen Plänen für das Gelände geäußert. Bisher lagen die Schwerpunkte der unternehmerischen Tätigkeit der Firmengruppe Kurth auf dem Gebiet der Vermietung und Verwaltung von Immobilien – gewerbliche Objekte und große Wohnanlagen. Inwieweit die bisherige Mischung aus kommerziellen und alternativen Kultur-, Sport- und Freizeitangeboten auf dem RAW-Areal sich mit den Plänen des neuen Investors in Einklang bringen lässt, konnte auch das Bezirksamt in Gesprächen mit Vertretern der Kurth-Gruppe bisher nicht klären. Bei einem Kaufpreis von 20 Millionen Euro muss man aber davon ausgehen, dass der Investor konkrete Verwertungsinteressen hat.

Die Zukunft des ehemaligen “Reichsbahnausbesserungswerk Franz Stenzer” (RAW) ist schon seit Jahren umstritten. Nachdem die Deutsche Bahn das Gelände 1994 stillgelegt und an eine konzerneigene Verwertungsgesellschaft übertragen hat, fand sich jahrelang kein Käufer. Es waren Anwohner, die 1998 den RAW-Tempel e.V. gründeten, um nichtkommerzielle soziokulturelle Angebote auf dem Gelände zu realisieren. Die PDS unterstützte das Projekt schon damals und das Bezirksamt Friedrichshain fungierte als offizieller Mieter der vier Gebäude an der Revaler Straße, in denen der RAW-Tempel e.V. bis heute zusammen mit ca. 65 Projektpartnern aktiv ist.

2007 wurde das ca. 70.000 Quadratmeter große Grundstück an die R.E.D. Berlin Development GmbH verkauft, einem Konsortium aus deutschen und isländischen Investoren. 2013 wurde das Gelände nach internen Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Isländern aufgeteilt. Rund 51.000 Quadratmeter des Grundstücks gingen an die Isländer, die bis zum Verkauf an die Kurth-Gruppe den Westteil des Areals unter dem Namen BNRE-Investment verwalteten. Der kleinere Ostteil ist bis heute im Eigentum der R.E.D.

Die R.E.D. hat in der Vergangenheit versucht Wohnungsneubau und großflächigen Einzelhandel auf dem RAW-Areal zu realisieren. Dagegen wehrte sich eine Bürgerinitiative. Sie will das Gelände möglichst vollständig für soziokulturelle Projekte, Sportangebote und die entstandene Clubkultur bewahren. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Friedrichshain-Kreuzberg unterstützte die Bürgerinitiative in ihrem Engagement und entschied im Juni 2014 mit großer Mehrheit das RAW-Gelände dauerhaft als alternativen Kultur- und Freizeitstandort zu erhalten und Wohnungsbau zu untersagen. Der Investor klagte dagegen beim Berliner Verwaltungsgericht und unterlag.

Der dauerhafte Erhalt des RAW-Areals als alternativen Kultur- und Freizeitstandort ist dennoch nicht gesichert. Nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts ist eigentlich ein reguläres Bauplanverfahren und damit die Genehmigung durch den Bezirk notwendig, um Bauvorhaben auf dem Gelände zu realisieren. Es bleiben aber Unwägbarkeiten. So ist bis heute nicht bekannt, ob die Investoren vor dem Kauf mit Vertretern der Senatsverwaltung Verhandlungen geführt haben. Der Senat hat die Möglichkeit, das Planungs- bzw. Genehmigungsverfahren mit Hinweis auf die stadtweite Bedeutung des RAW-Areals an sich zu ziehen und Wohnungsneubau, Parkplätze und großflächigen Einzelhandel zu genehmigen.

DIE LINKE lehnt das ab und fordert, die Planungshoheit beim Bezirk zu belassen. Wir setzen uns für den dauerhaften Erhalt des RAW als alternativem Kultur- und Freizeitstandort ein und fordern die Investoren auf, sich an einem langfristigen Nutzungskonzept unter Einbeziehung der Anwohner, der bisherigen Mieter, wie bspw. dem RAW-Tempel e.V. mit seinen 65 Projektpartnern, und dem Bezirk zu beteiligen.

 

Mehr Informationen:

 

Aufstellungsbeschluss für das RAW-Gelände (DS/2210/IV)

Entwicklung des RAW-Geländes (DS/2182/IV)

RAW-Gelände: Soziokulturelles Zentrum langfristig absichern (DS/2037/IV)

RAW-Gelände: BVV unterstützt Runden Tisch zum Erhalt des Kultur- und Sportensembles (PE vom 21.01.2016)

Hände weg vom RAW (klar.links Mai/Juni 2016, S.2)

RAW: Bezirk zwingt Investor an Runden Tisch (klar.links März/April 2016, S.8)

RAW-Areal: Apartments statt Alternativkultur? (klar.links November 2015, S.8)

Kulturstandort RAW muss bleiben! (klar.links Mai 2015, S.2)

 

 

Die Chronik des Geländes:

1867

Die Königlich Preußische Eisenbahnwerkstatt Berlin II wird in Betrieb genommen.

1920

Nach der Gründung der Reichsbahn erhält das Gelände den Namen „Reichsbahnausbesserungs- werk Revaler Straße“.

1967

Zum 100. Jubiläum wird das Areal feierlich in RAW Franz Stenzer umbenannt.

1994

4 Jahre nach der Wende legt die Deutsche Bahn das Gelände still.

1998

Erste Gespräche mit Anwoh- nern über Nutzung des Geländes finden statt. Der RAW-Tempel e.V. gründet sich.

1999

Dem RAW-Tempel e.V. werden vier Gebäude an der Revaler Straße für drei Jahre zur Zwischennutzung überlassen. Mieter ist das Bezirksamt Friedrichshain.

2001

Der Eigentümerkonzern Vivico (Verwertungsgesellschaft der DB) will das Areal bebauen lassen. Dem RAW-Tempel soll fristlos gekündigt werden. Anwohner und Bezirkspolitik machen sich für die Erhaltung stark.

2007

Vivico verkauft das Gelände an die R.E.D.

2009

Astra Kulturhaus und Suicide Circus eröffnen.

2012

Die isländischen Investoren trennen sich von R.E.D. und kaufen ihr einen Großteil des Geländes ab.

2013

Das Gelände wird geteilt. Die Initiative für den Erhalt des Kulturen- sembles RAW sammelt die Unter- schriften für den Einwohnerantrag.

2014

Bezirksparlament beschließt die Annahme des Einwohnerantrags

 

Fotos: Steffen Zillich beim Besuch des RAW-Tempel e.V.: