www.Steffen-Zillich.de


20.10.2015

VON NEU ZU DICHT - Kiezspaziergang mit Steffen Zillich

In Friedrichshain West können die Bürger z.Zt. geradezu exemplarisch beobachten, was städtebauliche Nachverdichtung bedeutet. Nach einer von der Wohnbaugesellschaft Mitte (WBM) in Auftrag gegebenen Potenzialanalyse sollen nördlich und südlich der Karl-Marx-Allee zwischen Strausberger Platz und Straße der Pariser Kommune auf Parkplätzen, Innenhöfen, Grünflächen, Kinderspielplätzen und anderen freien Flächen bis zu 37 Punkthäuser entstehen.

Der Kiezspaziergang unseres Parlamentarischen Geschäftsführers Steffen Zillich am 20. Oktober führte trotz Regenwetters etwa 30 Interessierte zu einigen der geplanten Neubaustandorte in Friedrichshain West. Die erste Station der Route war das KMA-Karree. Hier sind vier bis sieben zehngeschossige Häuser geplant. Eine Grünfläche mit Kinderspielplatz, zwei Parkplätze und ein Kastanienwäldchen sollen dafür verschwinden. Auch dass die Karl-Marx-Allee schon jetzt zu den am stärksten belasteten Straßen Berlins gehört, spielt offenbar keine Rolle. Die Pläne stoßen auf Widerstand der Anwohner. Für seine Tour konnte Steffen Zillich den Stadtplaner und Mitbegründer der Anwohnerinitiative „Aktion lebenswertes Wohnen in Friedrichshain-West“, Dr. Reinhard Brodale, als sachkundigen Experten gewinnen.

Steffen Zillich und Dr. Brodale erklärten den interessierten Teilnehmern, dass die sogenannte Nachverdichtung einen massiven Eingriff in die gewachsene Kiezstruktur bedeuten würde und massive Einschränkungen für die Anwohner zur Folge hätte. Dr. Brodale sprach über Auswirkungen auf die Wohnqualität der Anwohner wie bspw. geringere Abstände zwischen den Häusern die zu starker Verschattung führt, zugebaute Kaltluftschneisen und Umweltbelastungen wie höhere Feinstaubwerte.

Die Folgen einer hohen Feinstaubbelastung konnten die Teilnehmer auf der nächsten Station des Kiezspaziergangs erleben. Auf der Karl-Marx-Allee – auf der Höhe Lebuser Straße / Strausberger Platz – kann man sehen, dass die Fassaden der Häuser sich durch den Feinstaub stark verfärbt haben. Die Intensität des Windes, der den Feinstaub vom Alexanderplatz herantransportiert führt hier dazu, dass die Kacheln von den Hauswänden fallen. An einigen Häusern sind sogar Netze zum Schutz vor herabfallenden Kacheln angebracht worden.

Die abschließende Station des Kiezspaziergangs führte die Teilnehmer der linken Stadtführung in die Koppenstraße. Nach den ursprünglichen Plänen der WBM sollen hier südlich der Karl-Marx-Allee bis zu sieben Punkthäuser zwischen Koppen-, Andreas- und Singerstraße entstehen. Inzwischen spricht die WBM noch von 5 Häusern. Grünflächen und Parkplätze würden überbaut werden, ohne diese adäquat ersetzen zu können.

Besonders kritisiert wurden die Pläne der WBM für ihre Bauvorhaben Baurecht nach Paragraph 34 Baugesetzbuch geltend zu machen. Hiernach wäre keine Bauleitplanung seitens des Bezirks und auch keine „lästige“ Bürgerbeteiligung vorgesehen. Steffen Zillich hat die Nachverdichtungspläne der WBM in Friedrichshain West von Anfang an kritisch begleitet. Er hält die Planungen der WBM in der vorliegenden Form – insbesondere was die Bebauung von Innenhöfen angeht – für nicht akzeptabel und sicherte Anwohnern und dem Bürgerbündnis weiterhin seine Unterstützung zu.

Auch wenn die WBM, als Reaktion auf die Proteste gegen ihre Nachverdichtungspläne, schon zurückgerudert ist und die geplanten Baustandorte von 37 auf 20 reduziert hat, ist das, nach Steffen Zillichs Auffassung, nicht ausreichend. Für ihn ist die Aufstellung eines Bebauungsplanes von zentraler Bedeutung. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Interessen der Mieter und Anwohner, wie auch die Interessen des Gemeinwesens im Bezirk auf die Planungen Einfluss nehmen können und nicht bloß über die Bauvorhaben informiert werden, wie es bisher von der WBM vorgesehen war.

Während unseres Kiezspaziergangs haben wir viele Menschen getroffen, die große Sorgen und Ängste wegen der Nachverdichtungspläne der WBM haben. Vor allem aber waren sie empört darüber, dass über ihre Köpfe hinweg und ohne ihre Interessen zu berücksichtigen geplant und entschieden wird. Die wachsende Stadt kann so - in Konfrontation mit den Menschen - nicht gestaltet werden. 

Quelle: http://www.steffen-zillich.de/willkommen/unterwegs/von_neu_zu_dicht_kiezspaziergang_mit_steffen_zillich/