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20.08.2015

War hier besetzt? Kiezspaziergang mit Steffen Zillich

In Friedrichshain lässt sich geradezu exemplarisch beobachten, was Gentrifizierung bedeutet. Anfang der 90er Jahre war der Stadtteil noch das Zentrum der Ost-Berliner Hausbesetzerbewegung. Heute ist es ein Zentrum von Berliner Immobilienspekulation. Menschen aus der ganzen Welt zieht es in unseren schönen Kiez. Das hat Folgen! Mietenexplosion, Verdrängung und Nachverdichtung sind da nur einige Stichworte.

Die Kieztour unseres Parlamentarischen Geschäftsführers Steffen Zillich am 20. August führte etwa 20 Interessierte an historische Orte, an denen die Hausbesetzerbewegung in Ost-Berlin ihren Anfang nahm und auch ihr schnelles Ende fand. Die erste Station unseres Kiezspaziergang ging dahin, wo der Konflikt zwischen Hausbesetzern und Staatsmacht noch heute regelmäßig zu Auseinandersetzungen führt: Zum „Dorfplatz“ an der Rigaer Straße/ Ecke Liebigstraße. Hier erklärten Steffen Zillich und Freke Over, ehemaliger Hausbesetzer und früherer Abgeordneter der PDS im Abgeordnetenhaus, die Entwicklungsgeschichte der Besetzungen im Friedrichshainer Nordkiez.

Den Kontrast dazu konnte man auf der nächsten Station des Kiezspaziergangs erleben. Die Neubauten zwischen Liebigstraße und Rigaer Straße. Hier Entstehen insgesamt ca. 350 hochpreisige Wohnungen.

Der nächste Höhepunkt führte die Teilnehmer der linken Stadtführung in die Mainzer Straße. Am 29. April 1990 wurden hier – nach einem Aufruf aus dem Kreis der oppositionellen „Kirche von Unten“ in einer Szenezeitschrift – 13 der 28 Häuser besetzt. Die Mainzer Straße entwickelte sich daraufhin zum Zentrum der Friedrichshainer Hausbesetzerszene und zum Symbol der Ost-Berliner Hausbesetzerbewegung. Freke Over gewährte hier Einblicke in die Besetzer-Zeit und schilderte die dramatische Räumung im November 1990 durch einen der massivsten und brutalsten Polizeieinsätze der Berliner Nachkriegszeit – Symbol für das Ende des „kurzen Sommers der Anarchie“ im Jahr 1990.

Abschließende Station des Kiezspaziergangs war die Kreutziger Straße. Hier konnten sich einige Wohnprojekte der Hausbesetzerbewegung bis heute halten. Steffen Zillich und Freke Over schilderten hier die Unterschiede zu der Situation in der Mainzer Straße und zeichneten die Entwicklung bis heute nach.

Auf unserem Kiezspaziergang haben wir viele Menschen getroffen. Einige waren selbst bei Hausbesetzungen oder dem Kampf um Freiräume dabei und berichteten von ihren Erinnerungen an die Auseinandersetzungen Anfang der 90er Jahre. Andere sind zugezogen – wie viele Bürgerinnen und Bürger im Kiez. Gemeinsam schien der Wunsch nach einer Stadt, in der Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Lebensvorstellungen im Kiez miteinander leben können und sich niemand von Verdrängung bedroht fühlen muss.

Quelle: http://www.steffen-zillich.de/willkommen/unterwegs/war_hier_besetzt_kiezspaziergang_mit_steffen_zillich/