Gut betreut und kinderfreundlich

Steffen Zillich

Schulanfängerinnen und Schulanfänger werden ab dem 01. August in der Schule betreut – nach Möglichkeit in der Schule, die sie auch besuchen.

46. Sitzung des Abgeordnetenhauses von Berlin in der 16. Wahlperiode zum Antrag »Statt Wanderzirkus: Kinderbetreuung bis zur Einschulung in der Kindertagesstätte ermöglichen«

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Man könnte es sich bei dem Antrag einfach machen und sagen: Das Kitajahr endet am 31. Juli. Das Schuljahr beginnt am 1. August. Damit gehören Schulanfängerinnen und -an­fänger ab dem 1. August in die Schulen, wenn sie in den Ferien eine Betreuung brauchen, punktum. So einfach wollen wir es uns nicht machen. Sicherlich gibt es in der Praxis das eine oder andere Problem, das muss man sich genau anschauen. Aber eins ist sicher: Das Bild, das durch die CDU gezeichnet worden ist, trifft auch nicht zu.

Eins ist in der Tat sicher: Die meisten Kinder freuen sich auf die Schule, und ein gelungener Schulbeginn ist wichtig, um die Lust und die Freude am Lernen möglichst lange zu erhalten. Es ist in der Tat nicht so, dass die Kinder bis zum ersten Schultag irgendwie und von irgendwem betreut werden in irgendwelchen kinderfeindlichen Umgebungen, sondern im Regelfall stellt die Schule, in der sie eingeschult werden, eine Betreuung zur Verfügung.

[Mirco Dragowski (FDP): Aber nicht immer!]

Das ist eine gute Sache, weil die Kinder in spielerischer Form bereits die Schule, die Räume, das Umfeld, vor allem Mitschülerinnen und Mitschüler und Erzieherinnen und Erzieher kennenlernen, bevor es mit der Schule richtig losgeht. Manchmal ist es in der Tat so, dass die Betreuung nur an einer anderen Schule möglich ist. Da wurde uns versichert, dass die Schulen das so organisieren, dass in jedem Fall eine Erzieherin der Schule zur Verfügung steht, in die Kinder dann tatsächlich eingeschult werden. Das heißt, am ersten Schultag gibt es dann für die Erstklässler ein bekanntes Gesicht, etliche Mitschülerinnen und Mitschüler, die man schon kennt. Auch das ist akzeptabel, wenn es funktioniert und wenn die Schulen gut auf die Neulinge, die in der Tat zum Teil erst fünfeinhalb Jahre alt sind, vorbereitet sind. Es ist also in erster Linie unserer Ansicht nach eine Frage der Organi­sation vor Ort in den Sozialraum, wie man mit dem Fakt umgeht, dass zwischen dem offiziellen Schulbeginn und dem ersten Schultag ca. vier Wochen vergehen können.

Aber ganz so einfach kann man es sich insgesamt auch nicht machen, wie Sie von der CDU es sich machen, zu sagen, die einzuschulenden Kinder gehen dann einfach einen Monat länger in die Kita. Denn in der Tat ist es nicht so, dass die Plätze einfach leer sind, sondern nachrückende Kinder brauchen diese Plätze. Und ob es eine gute Situation ist, gerade in dieser Phase mit einer Überbelegung umzugehen, das wage ich zu bezweifeln.

In der Tat kommt es darauf an, den Übergang von der Kita in die Schule möglichst gut zu gestalten, möglichst über Kooperationen. Dazu gehört dann eben auch, dass Kinder die Schule, den Schulbetrieb, die Lehrerinnen und Lehrer, auch die Erzieherinnen und Erzieher ihrer künftigen ersten Klasse nicht erst am 1. August oder am ersten Schultag zu sehen und zu erfahren bekommen, sondern dieser Prozess muss früher beginnen. Denn in der Tat, ein neuer Lebensabschnitt beginnt für die Kinder, ob am 1. August oder am ersten Schultag. Außerdem ist die Schule nicht per se ein Ort, der in irgendeiner Form nicht kinderfreundlich ist und der ein Behütet- und Willkommensein ausschließen lässt.

Wir sind im Ausschuss durchaus an einer ernsthaften Diskussion darüber interessiert, auch wenn es nicht das größte Problem ist, das wir in der Berliner Bildungslandschaft haben. Wir wollen uns ziemlich genau angucken, inwieweit es dort einen Regelungsbedarf und einen Handlungsbedarf gibt. Es muss darum gehen, dass wir Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass es möglich ist, tatsächlich praktikable Lösungen vor Ort zu finden. – Danke schön!

[Beifall bei der Linksfraktion]